Wie zentrale Design-Kriterien die Grundlage guter In-Car User Experience bilden

Dass gutes Design einem nutzerzentrierten Ansatz folgen sollte, ist nichts Neues – in der Umsetzung ist dies jedoch gar nicht so einfach. Design, Usability und User Experience (UX) nehmen bei der Produktentwicklung eine zentrale Rolle ein. Im Kontext der Digitalisierung stehen Unternehmen in diesen Bereichen vor erheblichen Herausforderungen. Denn in der digitalisierten Welt ist eine effektive, effiziente und zufriedenstellende Interaktion mit dem Produkt anders umzusetzen als noch vor wenigen Jahren. Gutes Design ermöglicht dabei, dass BenutzerInnen Funktionen sicher, effektiv und effizient nutzen können (Usability) und dies auch ästhetisch und emotional positiv erleben (User Experience).

„People ignore design that ignores people.“ - Frank Chimero

Basierend auf zahlreichen Projekten rund um Digitalisierung und Kundenerlebnis und ergänzt durch Design-Heuristiken von Dieter Rams und Jakob Nielsen, stellen wir im Folgenden dar, wie zentrale Design-Kriterien, insbesondere im Bereich In-Car, also der Fahrzeugumgebung, kundenzentrisch umsetzbar sind. Dies wird am Beispiel des Charakters Jeff illustriert, der sich vor kurzem ein neues Auto gekauft hat und nun in verschiedenen Situationen die digitalen Funktionen seines Fahrzeugs benutzt.

Sieben Kriterien für gutes Design 

1. Automatisierung
2. Fehlerprävention & -behebung
3. Hilfestellung
4. Individualisierung
5. Kontrolle & Transparenz
6. Relevanz
7. Standardisierung & Realitätsnähe

1. Automatisierung

Das Kriterium Automatisierung gehört zu gutem Design wie das Lenkrad zum Auto. Dabei zielt man darauf ab, dem User die Bedienung des Produktes so bequem und einfach wie möglich zu machen.

Automatisierung ist in modernen Fahrzeugen nicht mehr wegzudenken. Fahrassistenzsysteme wie Abstandsregeltempomaten oder Spurwechselassistenten sind dabei längst Standard. Automatisch öffnende Türen beim Einsteigen oder Gesichtserkennung zur Rückspiegelsteuerung stellen aktuellere Beispiele dar. Automatisierung trägt so zu mehr Sicherheit und Komfort im Auto bei. 

Auch die Benutzerfreundlichkeit der Infotainment-Services lässt sich durch Automatisierung wesentlich steigern. Mithilfe favorisierter Fahrziele und einer Auto-Vervollständigung per Drop-Down-Menü, erspart man den NutzerInnen das mühsame Suchen und Eintippen von Adressen.

Automatisierung unterstützt Jeff auch schon vor Fahrtbeginn, indem das Fahrzeug ihm auf Basis seiner Gewohnheiten und Vorlieben Vorschläge unterbreitet. Wenn er beispielsweise auf seinem Smartphone die Öffnungszeiten seines Lieblingsitalieners recherchiert, wird ihm die Route dorthin bereits beim Einsteigen ins Fahrzeug vorgeschlagen.

2. Fehlerprävention & -behebung

Gutes Design lässt so wenig Raum für Bedienungsfehler wie nur irgend möglich. Für den Fall, dass den NutzerInnen doch ein Fehler unterläuft, sollte eine gut gestaltete Usability dazu beitragen, klares Feedback und einfache Möglichkeiten der Fehlerbehebung zu kommunizieren.

Im Fahrzeug spielt Fehlerprävention und -behebung eine wichtige Rolle für eine (lebens-)sichere User Experience. Durch einfach verständliche Kontrollanzeigen können FahrerInnen, z.B. auf folgenreiche Fehler hingewiesen und so maßgeblich dabei unterstützt werden, diese zu vermeiden. Warnsignale wie beispielweise das Anschnallzeichen oder der Hinweis auf einen geringen Reifendruck sind klassische Elemente guten Designs. Heutzutage gibt es sogar Autos, die Musik erst abspielen, wenn alle Fahrzeuginsassen angeschnallt sind.

Diese Erfahrung macht auch Jeff, als er sich auf den Weg zu seinem Lieblingsitaliener machen möchte und feststellen muss, dass sein Auto die „Amore Italia“-Playlist beim Losfahren nicht abspielt und ihn stattdessen auf den Sicherheitsgurt hinweist. Jeff schnallt sich an und schon trällert Eros Ramazotti aus den Lautsprechern.

3. Hilfestellung

Im besten Fall ist ein Produkt so intuitiv gestaltet, dass keinerlei Unterstützung in der Bedienung oder der Instandhaltung notwendig ist. Benutzerfreundliche Produkte bieten dem User zusätzlich wirksame Hilfestellung an, wenn er diese benötigt.  

Hilfestellung kann beispielsweise über Augmented Reality (AR) Anwendungen erfolgen. Damit erhalten FahrerInnen auf ihrem Smartphone realistisch dargestellte, visuelle Hilfestellungen, die sie beim Bedienen von Funktionen unterstützen und dabei konkrete Handlungsschritte abbilden.

Mit zwei leckeren Pizzen auf dem Rücksitz möchte sich Jeff auf den Weg zu seiner Freundin machen. Da es mittlerweile dunkel und neblig ist, muss er vor dem Losfahren die Nebelschlussleuchte anmachen. Nur leider hat er vergessen, wo der Schalter dafür ist. Mithilfe seiner AR-App auf dem Smartphone ist diese jedoch schnell gefunden.

4. Individualisierung

Individualisierung gibt NutzerInnen die Möglichkeit, das Produkt auf persönliche Bedürfnisse (z.B. modifizierte Darstellungen bei Rot-Grün-Sehschwäche) und Präferenzen anzupassen.

Im Fahrzeug ist Individualisierung beispielsweise durch ein persönliches Fahrerprofil umsetzbar. Dieses ruft die individuellen Vorlieben wie u.a. Musiklautstärke, Sitzeinstellung und Temperatur ab. Ebenso denkbar sind die Voreinstellungen zur Integration von Geschäftsanwendungen oder Zahlungsdiensten. Insbesondere beim Wechsel in ein anderes Fahrzeug müssen FahrerInnen so nicht jedes Mal aufs Neue die gleichen Einstellungen vornehmen.

Für die Weiterfahrt zum Kino überlässt Jeff seiner Freundin Carla das Steuer. Als das Fahrzeug Carla erkennt, fährt nicht nur der Sitz nach vorne, sondern es wird drei Grad wärmer und statt Jeffs beschaulicher „Amore Italia“-Playlist schallen die Backstreet Boys aus den Lautsprechern.

5. Kontrolle & Transparenz

NutzerInnen sollten stets die Kontrolle über das Produkt haben. In digitalen Produkten wird das beispielsweise über Grundfunktionalitäten wie einen Exit-Button umgesetzt. Darüber hinaus sollten die NutzerInnen wissen, was gerade passiert - ein Beispiel hierfür ist die Visualisierung des Akkustands beim Ladeprozess.

Im Auto spielt das Kriterium der „Kontrolle & Transparenz“ aus Sicherheitsaspekten eine besonders wichtige Rolle. Ein Beispiel ist die Anzeige der Restreichweite, die das Fahrzeug aus dem aktuellen Fahrverhalten, der Umweltbedingungen und der geplanten Route ermittelt.

Auch bei einem (teil-)autonom fahrenden Auto sollten FahrerInnen stets das letzte Wort haben. So sollten diese nicht nur Transparenz darüber haben, was gerade geschieht, sondern auch jederzeit die Möglichkeit haben, steuernd einzugreifen.

Im Kino entscheiden sich Jeff und seine Freundin dazu, den neuen Science-Fiction-Film zu schauen. Als Jeff sieht, wie darin futuristische Autos Intelligenz entwickeln und die Weltherrschaft an sich reißen, ist er froh, dass sein neues Auto (noch) keine eigene Persönlichkeit entwickelt hat und er weiterhin das Steuer fest in der Hand hält.

6. Relevanz

„Weniger ist mehr“ –  die Reduktion auf das Wesentliche führt dazu, dass die für NutzerInnen relevanten Funktionen leicht auffindbar sind.

Im Fahrzeug lässt sich dieses Prinzip anhand von Head-Up-Displays erläutern. Hier sollten nur relevante Informationen so klar und reduziert wie möglich dargestellt werden, um nicht vom Geschehen auf der Straße abzulenken. Situationsabhängig können zusätzliche Informationen in einem Head-Up-Display dafür sorgen, dass die FahrerInnen nicht die Augen von der Straße abwenden, um etwa zum Mittelkonsolen-Display oder auf das Smartphone zu schauen.

Nach einem aufregenden Abend und immer noch beeindruckt von den futuristischen Filmszenen, fährt Jeff vollkommen übermüdet nach Hause. Da kommt das Head-Up-Display genau richtig – es blendet ihm die relevanten Warnungen und Routenanweisungen ein, ohne dass er auf weitere Anzeigen achten muss.

7. Standardisierung & Realitätsnähe

Eine Benutzeroberfläche sollte möglichst intuitiv und realitätsnah sein. Der User sollte die im Produkt verwendeten Symbole und Funktionen aus seiner realen Umgebung wiederkennen, damit er sich in der Bedienung des Produkts schnell und komfortabel zurechtfindet. Die verwendete Design-Sprache sollte zudem in sich konsistent sein und sich nicht innerhalb eines Prozesses oder einer Funktion verändern.

Beispiele aus Fahrzeugen sind das klassische Anschnallzeichen oder verständliche Illustrationen in Bezug auf den Status von Airbag, Tank oder Batterie. Wenn hier der Transfer der Illustration in die Realität nicht gelingt, gehen den BenutzerInnen wichtige Informationen verloren. Zusätzlich ist eine konsistente Darstellung über alle verfügbaren Oberflächen hinweg wichtig.

Zuhause angekommen, ist für Jeff nur noch eine tückische Parklücke zwischen Nachbars Mülltonnen und dem Hydranten frei – eine Gelegenheit für Jeff, endlich den „Crab-Walk Modus“ auszuprobieren! Einmal Tippen auf das Krabbensymbol und die Vierradlenkung mit diagonaler Radstellung erledigt das Einparken ganz mühelos. Wie eine Krabbe bewegt sich das Auto seitwärts in die Parklücke.

Sieben universelle Kriterien für gutes Design  

Der Transfer in den Kontext der Gestaltung guter In-Car User Experience zeigt, wie universell gültig und relevant zentrale Design-Kriterien sind. Im komplexen und dynamischen Automotive-Bereich sorgen sie für mehr Komfort und Sicherheit und sind gleichzeitig Treiber und Kontrollinstanz für Innovation. Ganz gleich, ob in der analogen oder digitalen Welt, bieten die sieben Kriterien Orientierung und Unterstützung bei der nutzerzentrischen Produktentwicklung und bilden die Grundlage guter Usability und User Experience.
Wenn auch für Sie der Kunde an erster Stelle steht, dann lassen Sie uns sprechen. Wir helfen Ihnen dabei ihr Produkt kundenzentriert in den Markt zu bringen. 

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Dennis Winter

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Illustrationen: Margarita Yudina